Stadtpfarre St. Vitus Kufstein

Es ist alles zur Ehre Gottes - Nachruf auf Ewald Murnleitner

01.05.2015
Ende April musste die Kufsteiner Stadtpfarre St. Vitus von einem ihrer treuesten Mitarbeiter Abschied nehmen. Ewald Murnleitner, der mehr als fünf Jahrzehnte hindurch hier als Mesner  äußerst verdienstvoll tätig war, ist am 20. April 2015 nach langer Krankheit im 80. Lebensjahr verstorben.

Der gebürtige Kärntner kam in den späten 1950er-Jahren nach Kundl, wenig später nach Kufstein, wo er als Schneidermeister mehrere Lehrmädchen, die sich heute noch gerne an ihren liebenswerten Chef erinnern, ausbildete. In der Katholischen Arbeiterjugend beheimatet, trug Ewald als einer der Eifrigsten mit dazu bei, dass nach dem KAJ-Prinzip „Sehen – Urteilen – Handeln“ viele junge Frauen und Männer in unserer Pfarre unterschiedlichste Aufgaben übernahmen, so auch im Pfarrgemeinderat, dem Ewald ebenfalls eine Zeitlang angehörte.

Es muss bereits Anfang der Sechzigerjahre gewesen sein, als Ewald Murnleitner in St. Vitus den Mesnerdienst übernahm. Bei liturgischen Festen und Feiern, bei Taufen, Hochzeiten, Begräbnissen, Prozessionen und Pfarr-Wallfahrten – stets konnte man sich auf ihn verlassen. Kompetent, doch bescheiden wirkte er unter sechs Pfarrern und noch mehr Kooperatoren, die nicht selten durch Ewald Unterstützung erhielten, um in der Pfarre schneller Fuß zu fassen.

In Kirche und Sakristei kannte sich Ewald Murnleitner aus wie kaum einer. Manchmal schien es, „der Ewald“ gehöre bereits zum kirchlichen Inventar. Mit Letzterem kannte er sich bestens aus: ob Paramente oder liturgische Geräte, ob Statuen oder Bilder, Ewald wusste jegliches zuzuordnen, woher es stammte oder wohin es kam.

Ewalds große Leidenschaft – die Kufsteiner Kirchengeschichte

Pfarrer Thomas Bergner bezeichnete Ewald gerne als „unsere wandelnde Pfarrchronik“. Auch Dr. Gerhard Lehmann, Obmann des Vereins für Heimatkunde und Heimatschutz in Kufstein, erinnert sich: „Dem Ewald Murnleitner bin ich oft begegnet: als verlässlichem, immer interessiertem Besucher unserer heimatkundlichen Veranstaltungen und noch öfter unterwegs, aufgrund unserer Mitterndorfer Wohnnähe. Immer hatten wir schnell ein Thema oder eine offene Frage und dann ein interessantes Gespräch. Dabei hatte ich oft die Gelegenheit, von ihm etwas beantwortet zu bekommen. Er hatte die heimatkundliche Literatur (von der er selbst eine beträchtliche Sammlung zusammengetragen hatte) ganz genau studiert, wusste, was wo steht, und kannte sich in der Stadtgeschichte aus wie wenig andere. Auch Detailfragen konnte er aus der Fülle seines Wissens meist sofort beantworten, wenn nicht, kam nach wenigen Tagen der Anruf, dass er die Antwort  bzw. Unterlagen dazu für mich habe. 

Sein besonderes Interesse galt der Kufsteiner Kirchengeschichte, hier war er zweifellos der am besten Belesene und wusste Bescheid wie kein Zweiter: ein Laie und doch in diesem Gebiet mit dem profunden Wissen eines Historikers. Unerreicht bleibt auch sein Wissen über Verbleib von kirchlichen Dokumenten und Gegenständen, dabei hatte er auch die durch Jahrzehnte mitgetragenen kirchlichen Belange und miterlebten Ereignisse exakt im Kopf und kannte oft Details oder eine besondere Geschichte dazu, die er in ein paar kurzen Sätzen mit einem verschmitzten Lächeln und einem Blitzen in den Augen, aber niemals schadenfroh, gerne erzählte. Ewald Murnleitner wird mir, wird uns sehr fehlen!“ 

Pfarrer Thomas Bergner zitierte beim Verabschiedungsgottesdienst den Verstorbenen: „Es ist alles zur Ehre Gottes. Wir dürfen mitarbeiten, deswegen ist jeder Teil wichtig, und ist er noch so klein.“  Dem nahenden Tod sah Ewald mit Zuversicht entgegen: „Thomas, wie es wird, ist es gut, Gott wird’s richten.“
Kufstein, besonders die Pfarre St. Vitus hat Ewald Murnleitner für vieles zu danken. Die Beisetzung der Urne erfolgte in seiner Heimatgemeinde Moosburg. Ewald ist damit in doppeltem Sinne heimgekehrt.  
Ein Nachruf von Arnold Reicher

Vorschau
26.11.2017 - 10:00 Uhr
Gottesdienst mit Ehejubelpaare

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